Finanzielle Auswirkungen einer Hochzeit

Die Ehe ist ein Versprechen in eine schöne gemeinsame Zukunft. Doch was ändert sich dabei eigentlich in finanzieller Hinsicht?

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In Deutschland wird wieder mehr geheiratet. Diese Aussage lässt sich mit Zahlen untermauern. Wie das Statistische Bundesamt im November 2017 bekannt gegeben hat, wurden 2016 410.000 Ehen geschlossen. Heißt: 820.000 Personen haben sich von Januar bis Dezember 2016 das Ja-Wort gegeben. Damit ist die Zahl der Eheschließungen in Deutschland 2016 – gegenüber dem Vorjahr – um 2,6 Prozent gestiegen. Das Modell Ehe scheint also wieder modern zu werden. Viele Paare, die sich für eine Heirat entscheiden, tun dies in erster Linie aus Liebe zueinander. Es sprechen aber auch recht praktische Gründe für die Eheschließung. Wird Nachwuchs erwartet, stärkt die Ehe beispielsweise die Rechte der Väter.

Auch finanziell hat eine Eheschließung Auswirkungen. Klar – zuerst kostet das Ganze Geld. Neben dem Standesamt, welches bezahlt werden will, ist die Trauung zu stemmen. Für eine Hochzeit ist vielen Paaren aber nichts zu teuer. Unterm Strich kann die Heirat mit Blumenschmuck, Location und Bewirtung sowie dem Hochzeitsdress schnell einen mittleren vierstelligen Betrag verschlingen. Die Eheschließung kostet aber nicht nur Geld. Ehepartner können durchaus finanziell von diesem Schritt profitieren – sei es durch einen Wechsel der Lohnsteuerklasse oder die Familienversicherung der GKV. Gibt es Aspekte, bei denen es nach den Flitterwochen teurer wird?

Gemeinsamer Haushalt spart Kosten

Bezüglich der Wohnsituation verbucht eine Eheschließung finanzielle Vorteile. Spätestens mit dem Ja-Wort werden Paare einen gemeinsamen Haushalt führen – sie teilen in Amtsdeutsch Tisch und Bett. Wo sind hier die Vorteile zu sehen? Ein Aspekt betrifft die Einrichtung. Bei zwei Wohnungen braucht es schließlich alles doppelt.

Mit der gemeinsamen Wohnung ist nur noch je einmal Mobiliar nötig. Was aus den beiden getrennten Wohnungen übernommen werden kann, spart Kosten bei der Neuanschaffung. Wird eine Küche nicht mehr gebraucht, lässt sie sich mitunter noch zu Geld machen. Gerade bei den Elektro-Haushaltsgeräten – wie der Wasch- oder Spülmaschine, dem Herd und dem Kühlschrank macht sich dieser Aspekt bemerkbar.

Gespart wird aber auch bei den laufenden Kosten. Strom- und Energieverbrauch sind zwar in einem 2-Personen-Haushalt deutlich höher als im Vergleich zur Singlewohnung. Allerdings sticht der gemeinsame Haushalt die Verbrauchswerte aus zwei parallel genutzten Wohnungen. Die Gründe sind recht einfach. Singlewohnungen haben häufig zwischen 40 qm bis 50 qm Wohnfläche. Eine für Paare typische 3-Raumwohnung kommt im Mittel auf 70 qm bis 80 qm. Damit muss weniger Wohnfläche beheizt werden – was Kosten spart. Zum anderen wird die Miete nun von beiden Partnern getragen und ist dadurch für jeden etwas günstiger.

Einkaufen: Das Thema Single-Packung

Auch beim Einkaufen profitiert man als Paar. Bild: Karanov images - Fotolia.com

Der gemeinsame Haushalt macht sich nicht nur in Bezug auf Miete und bei den Nebenkosten bemerkbar. Auch wenn es um das Thema Einkaufen geht, bekommen Paare die gemeinsame Wohnung zu spüren. Mittlerweile gibt es für viele Produkte Single-Packungen – also kleinere Packungsgrößen. Der Vorteil: Gerade in Bezug auf Lebensmittel wird Müll vermieden. Allerdings sind kleine Packungen – gesehen auf die Menge – teurer. Mit der gemeinsamen Wohnung können größere Packungen gekauft werden, die letztlich auf lange Sicht günstiger sind.

Das Thema Kind

Bei vielen Paaren folgt kurz nach Hochzeit oft ein Kind. Bild: pololia - Fotolia.com

Gemeinsamer Haushalt, Eheschließung und ein Kind – viele Familien sehen so aus. Pro Person macht ein Kind den Alltag günstiger – speziell in Bezug auf die Miete und die Nebenkosten. Allerdings darf dies nicht zu pauschal betrachtet werden. Der Grund: Mit der Geburt eines Kindes verändert sich der Bedarf im Hinblick auf:

  • Hygieneartikel
  • Babybekleidung
  • Babynahrung
  • Windeln usw.

Und auch beim Thema Stromverbrauch ist der Nachwuchs zu spüren. Heizstrahler, Babykostwärmer und Babyfon verbrauchen zusätzlich Strom. Je älter Kinder, um so stärker verändern sich deren Bedürfnisse. Erste Hobbys, Mitgliedschaft in einem Verein und Klassenfahrten – unterm Strich bringen Eltern bis zum 18. Lebensjahr eines Kindes eine sechsstellige Summe auf.

Steuerliche Vorteile nutzen

Nach der Hochzeit kann der Splittingtarif für Verheiratete einen Steuervorteil mit sich ziehen. Bild: Stockfotos-MG - Fotolia.com

Eine Eheschließung macht sich nicht nur im Alltag bemerkbar. Als ein „Vorteil“ wird die steuerliche Behandlung von Ehepaaren angesehen. Wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Generell sind hier unterschiedliche Aspekte zu betrachten. Auf der einen Seite zum Beispiel durch den Wechsel der Lohnsteuerklasse. Dieser Spareffekt ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Hintergrund: Im Rahmen der Steuererklärung lösen sich die Einsparungen unter Umständen wieder auf. Generell gilt die Faustregel, dass sich der Wechsel in der Steuerklasse III und Steuerklasse V nur bezahlt macht, wenn die Einkommen der Ehepartner signifikant voneinander abweichen.

Ein zweiter Punkt betrifft Themen wie Altersvorsorge oder Sonderausgaben. Diese spielen eine Rolle, wenn sich Ehepartner nicht mehr getrennt, sondern gemeinsam steuerlich veranlagen lassen.

Besteuerung Altersvorsorgebeträge: In Deutschland gilt nach dem Einkommenssteuergesetz, dass bestimmte Renten in der Ansparphase steuerlich begünstigt werden. Hierzu gehört nach § 10 EStG zum Beispiel die Rürup-Rente. Im Rahmen einer gemeinsamen Veranlagung kann sich diese Tatsache positiv auswirken.

Sonderausgabenabzug: Im Regelfall können sonstige Sonderausgaben nur bis zu einer Höhe von 1.900 Euro je Steuerjahr geltend gemacht werden. Personen, die ihre Krankenversicherung selbst finanzieren, werden hier durch den Gesetzgeber gefördert. Diesem Personenkreis wird ein höherer Steuerabzug zugestanden – von bis zu 2.800 Euro. Auch hier kann sich die gemeinsame Veranlagung unterm Strich wieder bezahlt machen.

Thema Kapitalanlage: Auch hier gilt für Ehepaare bei gemeinsamer Veranlagung in der Einkommenssteuer ein doppelter Sparer-Pauschbetrag. In der Praxis kann sich dies durchaus bezahlt machen – wenn einer der beiden Ehepartner in die Ehe in größerem Umfang Geldanlagen (zum Beispiel in Forma von Wertpapieren) mitbringt.

Weitere finanzielle Änderungen nach der Eheschließung

Ein Punkt, der bisher keine Rolle gespielt hat, sind Auswirkungen auf die Krankenversicherung. In der PKV spielt eine Ehe keine größere Rolle, da hier ausschließlich einzelne Personen versichert werden. Aber: Die GKV kennt eine beitragsfreie Familienversicherung. Letztere kann – wenn einer der beiden Ehepartner (etwa wegen der Kinder) kein Einkommen erzielt – die Absicherung gegen Krankheitskosten sicherstellen. Damit können umfassend alle Leistungen der gesetzlichen Kassen in Anspruch genommen werden, ohne zusätzlich Beiträge stemmen zu müssen.

Überhaupt berührt eine Ehe den Versicherungssektor. Singles wird immer wieder geraten, eine private Haftpflichtversicherung, Hausratversicherung und die Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Ein Teil der Tarife kann nach der Hochzeit von einem Singletarif auf einen Familientarif umgestellt werden. So sichert die Haftpflicht dann nicht nur den Ehepartner, sondern auch im Haushalt lebende Kinder mit ab – was eine prozentual betrachtet günstige Lösung darstellt. Achtung: Während bei privater Haftpflicht und Hausrat gespart wird, machen sich Tarife bemerkbar, die jetzt zusätzlich ins Auge zu fassen sind. Hierzu gehören unter anderem die Risikolebensversicherung und die Kinder-Unfallversicherung.

Im Auge müssen auch die Leistungen der bestehenden Versicherungspakete behalten werden. So deckt nicht jeder Vertrag in der Haftpflicht Deliktunfähigkeit. Tipp: Eine Risikolebensversicherung kann auch auf verbundene Leben abgeschlossen werden. Dieses Konstrukt ist empfehlenswert für Familien mit Kindern, da so ein Partner immer finanziell abgesichert werden kann.

Eine Eheschließung kann im Vergleich zu zwei Single-Haushalten die Kosten deutlich senken und zudem auch steuerliche Vorteile mit sich bringen. Bild: Grecaud Paul –  Fotolia.com

Fazit: Mit der Heirat verändern sich die Finanzen

Früher wurde aus finanziellen Interessen geheiratet, heute aus Liebe – diese Ansicht ist so nicht ganz richtig. Es gibt immer noch finanzielle Gründe, welche für eine Eheschließung sprechen. Dazu gehören zum Beispiel steuerliche Vergünstigungen. Und auch an anderer Stelle (etwa den Zulagen geförderter Riester-Renten) macht sich die Ehe bemerkbar. In der Praxis sind die Vorteile des Trauscheins aber nur eine Seite der Medaille. Ehepartnern muss klar sein, dass es an anderer Stelle teurer zu werden droht. So stellt sich die Frage, was mit den Schulden eines Ehepartners passiert? Natürlich passt dieses Thema nicht wirklich in die Hochzeitsvorbereitungen. Gedanken sollte sich Paare aber auf jeden Fall machen, da dies den finanziellen Spielraum künftig etwas erhöhen kann.

 

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